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BOSNIEN
UND DIE ZIELE DER AMERIKANISCHEN POLITIK Professor
Ronald Hatchett Director, Center for
International Studies, University of St. Thomas, Houston, Texas Dr.
Srdja Trifkovic Executive Director, The Lord Byron Foundation for Balkan Studies Wir
möchten vom besonderen zum allgemeinen gehen: Von den Fehlern und Schwächen von
Dayton zur Tagesordnung der gegenwärtigen Regierung in Washington in Sachen
Süd-Ost-Europa, wie dies korrekt ein Bericht ausdrückt, der kürzlich von der Heritage Foundation in Washington
erstellt: die Vereinbarung befaßt sich nicht mit den grundlegenden Fragen der
Souveränität und des Rechts der ethnischen Selbstbestimung, ganz im Gegenteil
sie friert diese Punkte ein und bietet dafür eine sorgfältig ausgearbeitetes
Abkommen einer Machtteilung für eine Bosnische Zentralregierung an. Für eine geplante Zentral-regierung wird es schwer
sein, die Bindungen von Loyalität,
Autorität und Legitimtät zu ersetzen, die z.Zt. zwischen den bosnischen
Kroaten und Kroatien und den bosnischen Serben und Serbien bestehen. Diese
Bande wurzeln in Jahr-hunderten einer politischen, ethnischen und kulturellen
Identität und werden sich sicherlich als haltbarer herausstellen als die
Verbindungen einer Zentral-regierung, die mit "heißer Nadel"
gestrickt wurde. (1) Der
grundlegende Gedanke von Dayton besteht darin, daß es ein aufgedrükkter Friede
mit düsteren historischen Präzedenzfällen ist. Eine international
zusammengesetzte Gruppe von Unterhändlern hat 1964 eine ähnliche Vereinbarung
zwischen türkischen und griechischen Zyprioten ausgehandelt. Wie die
Vereinbarungen über Bosnien so hat der verhängnis-volle Zypern-Vertrag
versucht, die Verbindungen zu den ‘verwandtschaft-lichen Einheiten/Entitäten’
für beide Seiten (Griechenland und Türkei) durch eine nicht arbeitsfähige
Zentral-regierung und an ethnischen Linien sich orientierende Blöcke im
Parlament zu ersetzen. Diese
Version hatte eine fortdauernde Arbeitsunfähigkeit zur Folge. Eine solche
Struktur hat sich auch nie den grundlegenden Ängsten und Sehnsüchten der
verfeindeten Parteien zugewandt und gründete sich auf eine Phantasie von
Diplomaten: Hoffnungen auf einen Grad der Zusammenarbeit, die niemals in Zypern
vorhanden war. Nach zehn Jahren von vereinzelt auftretenden Gefechten und der
Instabilität dieses Notbehelfs an Vereinbarung. Die türkische Armee besetzte in
1974 die nördliche Hälfte der Insel, teilte Zypern und beendete den kurzlebigen
Frieden - ein von oben aufgesetzter Friede, der nie vor Ort unterstützt wurde.
(NB: UN-Friedens-macher sind seit über 30 Jahren dort!) Herr
Hillen von der Heritage-Stiftung schreibt, daß der von der amerikanischen
Regierung aufgesetzte Frieden von der Annahme ausgeht, daß die
"moslemisch/kroatische Federation" eine lebensfähige, politische
Einheit ist, die man mit zusätzlichen politischen und militärischen Mitteln
ausstatten kann und die fortfährt zusammenzuwachsen als ein Gegen-gewicht zu
der "Serbischen Republik." In Wirklichkeit ist dieses Phantom einer
"Federation" ein künstliches Produkt einer Verstandes-Heirat, die
durch amerikanische Vermittlung in 1994 eingefädelt wurde - manche nennen dies
auch eine Hochzeit "mit vorgehaltenem Revolver". Vor
der Errichtung dieser Federation trugen Kroaten und Muslime einen brutalen
Krieg unter sich aus - und wie kürzlich aufgetretene Vorfälle in Mostar
belegen, kann ein solcher Krieg zu jeder Zeit wieder anfangen. Einige
Beobachter glauben, daß die muslimisch/kroatische Federation dann wieder
auseinander-fallen wird, wenn es keine aktive anti-serbische Tagesordnung mehr
geben wird. Zweifellos
haben die bosnischen Serben es immer akzeptiert, daß sie möglicher- weise Land
für einen Frieden einzuhandeln hätten, das bedeutet, einen ganzen Batzen an
Territorium aufzugeben für eine ganze Menge Selbstbestimmung. In Dayton bekamen
sie das schlechteste der beiden Möglichkeiten. Der
Präsident von Serbien, Slobodan Milosevic, der von den bosnischen Serben nicht
gewählt wurde, und wie er selbst zugegeben hat, nicht an ihrem Schicksal
interessiert ist - stimmte einer Einigung über das Territorium zu, das in den
Augen der bosnischen Serben kurz unterhalb einer Katastrophe ist. Als besonders schmerzlich em-pfinden
sie die Tatsache, daß die ganze Stadt Sarajevo an die krotisch-muslimische
Seite geht - weit mehr als 100.000 Serben eingeschlossen. Alle vorhergehenden
Friedenspläne sahen immer einen besonderen Status für die bosnische Hauptstadt
vor, u.zw. unter internationaler Verwaltung oder Überwachung. Gleichzeitig
bedeutet das Verfassungspaket, das durch die Vereinbarungen von Dayton
aufgesetzt wurde, daß die Bosnisch-Serbische Republik nur dem Namen nach
vorhanden ist, in Wirklichkeit ist sie auf die Stufe einer autonomen Provinz
herabgesunken. Die Befugnisse der Zentralregierung in Sarajevo, die von der
muslimischen Seite beherrscht wird, werden viel weitreichender sein als dies
jedermann erwartet hat: eine einheitliche Währung, das Recht Zölle zu erheben,
diplomatische Vertretungen zu unterhalten und Einwanderungsgesetze zu erlassen. Natürlich
wird es Leute geben, die behaupten, daß dies das einzig wirklich wünschbare
Ergebnis gewesen sei und das Zurechtstutzen der serbischen Wünsche und
Hoffnungen auf Selbstbestimmung der eigentliche Grund für diesen Krieg und der
Beteiligung des Westens daran ist. Wenigstens sollten solche Ge-fühle offen
angesprochen und nicht hinter der Maske einer verbalen Zustimmung versteckt
werden, um Fairness und Gerechtigkeit zu erreichen. Unglücklicherweise
hat die eingefahrene Parteilichkeit der amerikanischen Regierung eine
ausgewogene und faire Abmachung verhindert, eine Vereinbarung, die alle drei
Seiten gleichermaßen unzufrieden gelassen hätte. Wenn den Serben wenigstens
eine international abgesicherte Formel für Sarajevo auf der Basis einer echten
multi-konfessionellen Stadt garantiert worden wäre, dann hätten sie ein paar
Aktien für die zukünftige Ordnung in Bosnien gehabt. Wie die Dinge liegen haben
sie eine solche Beteiligung nicht, und offenbar war es auch nicht vorgesehen,
daß sie eine solche haben würden: Die Version wie das ganze Dayton-Paket zusammen-geschustert wurde zeigt nur die Kurzsichtigkeit dieser Präsi-dentschaft und ihre letzliche Vorliebe für Public Relations vor Substanz; es mag so lange dauern, um zu helfen, daß Clinton wiedergewählt wird, aber es wird nicht auf Dauer überleben: die eingebaute Dynamik des zerfalls in Bosnien bleibt bestehen. Dieselben zentrifugalen Kräfte, die Jugoslawien als Ganzes so verhängnisvoll beherrscht haben, sind immer noch in Bosnien virulent, wahrscheinlich sogar noch mehr als zu der Zeit bevor die Amerikaner sich eingemischt haben. (2) So
sind die Bosnischen Serben zu den "Großen Verlierern" geworden, wie
es einmal Richard Holbrooke triumphierend ausgedrückt hat, als alles vorbei
war. Sie waren in der Lage die Landkarte der Kontakt-Gruppe vor 16 Monaten
zurückzuweisen, weil sie zu der Zeit noch eine weitgehend intakte Armee und ein
funktionierendes System von Befehl und Kontrolle hatten. Die bosnischen Serben
hatten bedeutende Mittel an Menschen und Material zur Verfügung und auch eine
solide potische Struktur, um Milosevic "Nein" sagen zu
können. Die Umstände haben sich aber dramatisch im August und September 1995
geändert, die dem Bomben-Kunststück auf dem Markale-Marktplatz in Sarajevo
folgten. Wie eine führende Persönlichkeit der Opposition in Belgrad es
ausdrückte: In einer Weise hat die amerikanische Luftwaffe die schmutzige Arbeit für Milosevic erledigt", indem sie nicht nur der Armee von Mladic das Rückgrat gebrochen hat, sondern indem sie es auch für Dr. Karadzic unmöglich gemacht hat, sich gegen Belgrad zu erheben. Das Ziel von Milosevic war es immer, jeden echten, vermeintlichen und potentiellen Gegner zu neutralisieren und mit der Entmachtung von Dr. Karadzic fällt auch der Niedergang der Bosnisch-Serbischen Republik zusammen. (3 Wenn man akzeptiert, daß Milosevic nicht irgendwelchen "Serbischen" Leitlinien folgt, so macht doch sein macchiavellistischer Pragma-tismus beim Ausverkauf der Krajina und dann der Bosnischen Serben Sinn. Durch seine Unterschrift auf jedwedes Papier, das ihm vorgelegt wurde, hofft er, daß er sich in einen amerikanisches Aktivposten verwandelt. Es wird einen Flughafen in Tuzla und in Skopje und einen Militärhafen im südlichen Albanien geben, und komme was da wolle, selbst, wenn ein Oskar Lafontaine die amerikanische Verbindung kappen sollte, so werden diese Trümpfe bleiben Selbst wenn manche Washington Insider
den "Großen Entwurf" in Clinton's Politik verneinen, so sollten wir
nicht die Möglichkeit ausschließen, daß die Vereinbarungen von Dayton
wenigstens teilweise nicht die ameri-kanische Führung innerhalb der NATO
bedeuten, sondern daran zu denken, daß die amerikanische Regierung einen
Brückenkopf in Europa vorbereitet, sollten die europäischen Partner
entscheiden, daß sie auch ohne die
Vereinigten Staaten auskommen. Mit anderen Worten möchten die USA zufällig oder absichtlich entlang des Bogens vom Balkan eine auf Dauer angelegte militärische und poltische Präsenz in Europa errichten, die aus sich selbt besteht, unabhängig von jeder zeitweiligen Version, in die NATO eingebunden ist. Milosevic versucht, sich den Amerikanern anzudienen, indem er Serbien - d.h. er selbst als Serbiens Speerspitze - von einem Problemfall in einen Aktivposten verwandelt. “Er möchte ein aktiver Mitspieler bei der sich bildenden Pax Americana in diesem Teil der Welt sein, selbt wenn dies bedeuten sollte, daß er das eigentliche Kernland Serbien auf die Grenzen des Belgrad Paschaluk von vor 150 Jahren reduziert”.(4 Innerhalb dieses Musterbeispiels bestehen zwei überragende Ziele, die heute die amerikanische Außenpolitik bestimmen. Das eine ist die Sorge, daß die Vereinigten Staaten ihre Rolle als der selbstverständliche Anführer der westlichen Welt behält. Das andere ist das Bestreben, daß die Vereinigten Staaten die vorherrschende wirtschaftliche Macht auf der welt bleiben. Diese Ziele und Vorgaben werden wahrscheinlich das Denken der amerikanischen Außenpolitik während der nächsten Zukunft beherrschen , u.zw. unabhängig davon, ob Bill Clinton oder Bob Dole im Weißen Haus sind. Bill
Clinton ähnelt seinem von Moral triefenden Vorgänger Woodrow Wilson, der
Amerika in den ersten Weltkrieg geführt hat; als Bill Clinton sein Amt
übernahm, hatte er keine Ahnung, wie man Außenpolitik gestaltet. Selbst seine
höchsten außenpolitischen Berater hat man ziemlich genau als akademische
Berater beschrieben und nicht als erfahrene Professionals auf dem Gebiet der
Außenpolitik. Man erinnerte sich noch an Warren Christopher als der Berater von
Jimmy Carter, der amerikanische Soldaten davor gewarnt hat, die man 1980 in die
iranische Wüste auf eine total unmögliche Mission gesandt hat, um die Geiseln
aus der amerikanischen Botschaft in Teheran zu befreien, daß, wenn sie in
Schwierigkeiten geraten würden, sie nur
schießen sollten, um die anderen zu verwunden, nicht zu töten, weil sie -
logischerweise - in deren eigenem Land seien. Der frisch-gebackene
Außenminister war überrascht, als er von Lord Owen erfuhr, daß die Serben in
Bosnien nicht Eindringlinge und Angreifer von Serbien aus seien, sondern echte
Einwohner dieser Region, die schon seit mehr als 500 Jahren dort leben. Colin
Powell, dessen Amtsperiode als Oberkommandierender aller Waffengattungen unter
der Bush-Regierung verlängert wurde, beschrieb die ersten Treffen des
nationalen Sicherheitsrates als fortgeschrittene
Studenten-Herren-Gesellschaften oder Gehirnumwälzungs (brainstorming)
Seminare und nicht als strukturierte Meetings, in denen Politik gemacht wurde: "Hinterbänkler schwätzten dazwischen
und klangen so als seien sie Mitglieder des Kabinetts". Anthony
Lake, der Berater des Präsidenten in Fragen der nationalen Sicherheit,
beschrieb treffend den Versuch der Regierung als Oxymoron "eines pragmatischen Neu-Wilsonianismus". Madelina
Albright, der Botschafter des Präsidenten bei der UNO erhob den konzeptionellen
Morast zur hohen Kunst, indem sie diesen neuen Versuch, Politik zu machen, als
"aggresiven Multilatera-lismus"
betitelte. Enttäuschung
und Ernüchterung folgten auf dem Fuß. Als Präsident Clinton versuchte, seine
neu-wilsonische Außenpolitik praktisch umzusetzen, wurde er mehr und mehr durch
seine eigene Unfähigkeit frustriert, internationale Zustimmung für seine
Eröffnungsmanöver seiner Außenpolitik aufzubauen. Einige Nationen und sogar
traditionelle Freunde fühlten den Befehlston, den die Regierung unter Clinton
an den Tag legte, als die Clinton-Regierung sich mit dem Nuklear-Programm
Nordkoreas oder mit dem Aufbau einer Nation in Somalia beschäftigte. Noch
weniger Nationen teilten den Druck und die Meinung der amerikanischen Regierung,
sich auf eine Militäraktion einzulassen, um dem im Exil lebenden haitianischen
Präsidenten Aristide wieder zur Macht zu verhelfen oder um Handelssanktionen
gegen China zu erlassen, um dieses zu zwingen, demokratischer zu werden. Auch
der Versuch Präsident Clintons, den Europäern - oder seinen Landsleuten - seine
lift and strike-Lösung für die bosnische Krise zu verkaufen, hat ihn nur in die
Wüste geführt. Im
zweiten Jahr seiner Regierung merkte Präsident Clinton, wie sein
Neu-Wilson-Ansatz der amerikanischen Außenpolitik ihn zuhause und im Ausland
der Lächerlichkeit aussetzte. Amerikanische Geschäftsleute legten ihm die
Notwendigkeit nahe, die Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft und eine
Außenpolitik in Betracht zu ziehen, die auf die Beachtung der Menschenrechte
ausgerichtet ist, wie diese für China gemacht wurde. Politische Meinungs-bilder
kritisierten ihn deswegen, weil er Amerikas führende Rolle in der Welt an die
Europäer abgäbe. Präsident
Clinton merkte, daß er etwas tun müßte, um als Führer der internationalen
Gemeinschaft in den Augen seiner Landsleute zu erscheinen, besonders in den
Augen der Machtelite, die die Präsidentenwahlkämpfe finanziert. Andernfalls
würden er oder die Demokratische Partei die Rechnung an der Wahlurne erhalten.
Seine Lösung ging zu einer übertrieben selbstsicheren Außenpolitik unter dem
Motto: "Amerika zuerst." Zu
Beginn des Jahres 1994 war die Außenpolitik Clintos darauf ausgerichtet, mehr
traditionelle amerikanische Themen zu betonen, vor allem, daß die Welt einer
amerikanischen Leitung und Führung bedarf und daß Amerikas Führungs-fähigkeiten
auf seiner wirtschaftlichen Stärke beruhen. Die gefühlsmäßigen Aussagen
Clintons, daß alles durch multilaterale Anstrengungen machbar sei, sind
verhallt und nicht mehr zu hören. In den Entscheidungs-Richtlinien (Nr. 25) des
Präsidenten vom Dezember 1994 hat Präsident Clinton offiziell seine Version des
Neo-Wilson-Versuch der amerikanischen Außenpolitik beerdigt. Seine
Richtlinie beschränkt eine amerikanische Beteiligung auf gemeinsame
Sicherheitsanstrengungen und erklärt: "die
Vereinigten Staaten unterstützen weder eine stehende UNO-Armee noch wollen wir
besondere amerikanische Miltitär-einheiten innerhalb UNO-Eingriffen
bereitstellen." Präsident Clinton betont nun seine Absicht,
"sicherzustellen, daß wir (Amerika) uns ins nächste Jahrhundert als die
immer noch stärkste Nation in der Welt bewegen" und "aus Amerika die wirtschaftlich und wettbewerbsmäßig stärkste
Nation in der Welt werde". Er fügte auch hinzu, daß seine Regierung
"eine Menge gelernt habe, wie die Kombination aus amerikanischer
Diplomatie und Macht ein erwünschtes Resultat zeitigen könne und darüberhinaus
die Unterstützung der öffentlichen Meinung der Vereingigten Staaten zu
entwickeln und zu gewinnen sei, indem so gehandelt würde". In
der Zwischenzeit entwickelt sich der "bosnische" Krieg zu einer
jugoslawischen Katastrophe und zu einer europäischen Mühsal. Auf der
europäischen Ebene war es eine Bedrohung für den schmerzhaften
Entwicklungsprozeß, eine Einigung zu erzielen. Im Jahre 1914 wollten die
europäischen Mächte keine Einigung über den Fall Serbien erzielen; heute haben
sie sich das Ziel gesetzt, eine Einigung zu erzielen. So laufen die meisten
Geschäftsvereinbarungen heute ab. Unter der Oberfläche sind Ströme abweichender
Meinungen, aber die politische Sprache drückt dies in Ausdrücken einer
Vereinbarung und der übereinstimmenden Meinung über ge-waltsame Vorfälle aus.
Wenn es keine allgemein verständliche Lösung für ein Problem gibt, wie sie durch
den Begriff der übereinstimmenden Meinung ausgedrückt wird, dann wird keine
Lösung für ein Problem gesucht, bis und solange die Realität die Normalität
aufbricht. Das einfachste Element der übereinstimmenden Meinung - der kleinste
gemeinsame Nenner - ist rhetorischer Art und sehr häufig realitätsfern. Eine übereinstimmende europäische Meinung, die von den Medien projeziert (und
moralisierend aufbereitet) wurde, hatte nach dieser Meinung das Ziel, den
Umfang der internationalen Auseinandersetzung einzugrenzen. Die europäischen
Mächte behaupten, daß sie die "über-einstimmende Meinung" zur
Institution erheben möchten, um den Krieg untereinander zu vermeiden. Kozyrew's
schlecht-aufgenommene Meinung über eine neue Welt war in sich nicht stimmig.
Das eigentliche Motiv für das geist-tötende Feiern der 'über-einstimmenden
Meinung' ist der Wunsch eines jeden Hauptdarstellers als Rangältester und als Berater der Welt
aufzutreten mit einer Zulassung zu den höchsten der Obergremien, ob sie nun EU,
NATO oder UNO heißen. Kleine Länder zählen immer noch wenig, aber sie haben
eine Stimme, die im eigentlichen Sinne nicht wertlos sind. Dänische und
belgische Soldaten überwachen Hügel, die einst nicht die Knochen eines einzigen
preußischen Grenadiers wert waren. Das Neue Europa kann sich nicht auf soviel
verständigen wie es vorgibt, aber seine politische Kultur erfordert
Nachgiebig-keit gegenüber der Mehrheitsmeinung. Dies ergibt eine große Neigung
dahin,sich auf den 'kleinsten gemeinsamen Nenner' zu einigen. In
der Tat lag in den Worten und im Abstimmungsverhalten der europäischen
Staatsmänner wenig Überzeugungskraft und Strategie, aber sie lieben die
Feierlichkeiten, bei denen die internationalen Entscheidungen gefeiert werden.
"Sie lieben nicht die Musik, sondern den Klang, den diese erzeugt".
Sie sind Nach-Nationalisten; sie haben nur wenige Interessen zu verteidigen:
und sie glauben, es sei verrückt, sich zu isolieren, wenn sie ausgefallene
Meinungen annehmen. Nationale
Staatsmänner trachten nach der 'übereinstimmenden Meinung', der sie sich
anschließen können und sie wiederholen immer kleine Stücke der
'übereinstimmenden Meinung', die Antworten auf das, was sie am wenigsten mögen
als Zutrittsschlüssel für ihre Mitgliedschaft. Obwohl es sich nicht um eine
unverletzbare Regel handelt, ist dies es doch, was sich auf der internationalen
Bühne abspielt. Wenn dagegen die Regel gebrochen wird, dann steigt die
Temperatur der Gefühle und der Leidenschaften und der gute Ruf ist schnell
lädiert; hier versucht man, die Muskeln spielen zu lassen, sobald die MACHT auf
das Unbekannte trifft. Regierungen ziehen es vor, feierlich die Kommunion zu
zelebrieren und sie finden es bequem, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu ihrem
Sakrament zu erheben. Zu Beginn des Jahres 1994 begann eine virulente
anti-serbische, von der Tagesordnung getriebene Form von REALPOLITIK, die die
amerikanische Politik in Bezug auf die Situation in Bosnien beherrschte
anstelle des vorgefaßten, fehlgeleiteten moralisierenden Zugangs der
Neo-Wilson-Version. Offenbar arbeitet
die Regierung in Washington noch mit anderen Nationen wegen der Weltprobleme
zusammen, aber die Absicht war es nicht mehr eine Übereinstimmung zu erzielen;
es war der Zweck, die anderen zu zwingen, sich mit der amerikanischen Position
abzufinden. Die
Änderung in der Betonung der Amerikanischen Außenpolitik trug dazu bei, den
Krieg auf dem Balkan zu verlängern - geradezu als eine Steigerung des Krieges
im ehemaligen Jugoslawien nach der Einmischung des Westens verursacht wurde -
besonders durch die einseitige Anerkennung Sloweniens und Kroatiens durch die
Budesrepublik Deutschland. Gerade in dem Moment als Deutschland sein
Maastricht-Diktat im Dezember 1991 an die Wand malte als eine Anerkennung des
Ausdrucks der "übereinstimmenden Meinung", nach dem die Vereinigten
Staaten im Dezember 1993 "Vollendete
Tatsachen" geschaffen hatte, wurden diese in Washington "zum Willen der inter-nationalen Gemeinschaft"
hochstilisiert. In
diesem Land gibt es bis heute noch keine in sich geschlosenen Erklärung dafür,
warum die Bundesrepublik Deutschland das Wagnis einging, um die Anerkennung der
beiden o.g. Staaten zu erreichen. Man muß daraus schließen, daß die
Außenpolitik, die aus Bonn kommt, offenbar selbst in Deutschland als ein
Zufallsprodukt betrachtet wird, die auf subjektiven Einfällen und Grillen
beruht - in gewisser Weise auch irrational ist. Das Beste, was man daher über
sie sagen darf, ist, daß sie moralische Kritik erregt. Aber dahinter steckt
wahrscheinlich mehr, was ins Auge springt: Mit dem Durchbruch vom Dezember 1991
betonten die Strategen in Bonn die Autorität Bonns auf dem Gebiet der
internationalen Politik in einer Art wie sie im 19. Jahrhundert üblich war. Die
anderen europäischen länder, vor allem Großbritannien versuchten Deutschlands
Ansprüche auf dem Gebiet der Außenpolitik zu bändigen, aber begegneten dem
nicht in der Weise, wie dies im 19. Jhr. üblich gewesen wäre - im Namen eines
der Friedenssicherung dienenden Machtausgleichs in Europa. Gerade
in dem Moment als die Europäische Union mit der Version von Genscher, im
Dezember 1991 auf den Tisch zu hauen, zu leben begann, fühlte die NATO schon
seit zwei Jahren den Hauptangriff der neuen Außenpolitik der Clinton Regierung.
Auf dem Balkan wurden die Westeuropäer wiederholt von den Amerikanern
enttäuscht, die sich weigerten, Übereinstimmung zu suchen. Lord Owen hat
öffentlich seinen Ärger darüber ausgedrückt, wie die amerikanische Regierung
Friedenspläne torpedierte, die er zusammen mit den Abgesandten der UNO, Cyrus
Vance, im Mai 1993 und mit Thorvald Stoltenberg im Herbst diesen Jahres
aufgebaut hatte. (5) Die
Vereinigten Staaten erklärten einseitig im November 1994, daß die
amerikanischen Streitkräfte nicht länger daran halten würden, das
Waffen-Embargo gegen Bosnien aufrechtzuerhalten. Folglich beobachtete die NATO frustriert als die Vereinigten Staaten anfingen (möglicherweise mit der Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei) Waffen nach Bosnien einzuschmuggeln, u.zw. im Widerspruch zu den Resolutionen der Vereinten Nationen, denen sie selbst zugestimmt hatten und mehere hochrangige "pensionierte" Militär-offiziere - incl. des früheren Oberkommandierenden der NATO, des früheren Oberbefehlshabers der amerikanischen Streitkräfte (Chief of staff of the US Army), des früheren Oberbefehlhabers der Bodentruppen im Golfkrieg, des früheren Chefs der Abwehr im Bereich der Verteitigung und viele andere - nach Bosnien und Kroatien zu entsenden, um eine aktive Rolle bei der Intensivierung des Krieges zu spielen, zu einer Zeit als das Leben der UN Friedenstruppen aus verschiedenen NATO-Ländern in diesem Gebiet gefährdet war.(6) Einige NATO-Länder ärgern sich nun darüber, daß unter dem bestimmenden Willen der Clinton Regierung die Allianz dazu gezwungen wurde, eine schnelle Ausdehnung der NATO auf dem Gebiet von Osteuropa zu akzeptieren. Und darüberhinaus ist die Alternative der Republikaner noch düsterer, denn der führende Herausforderer für die Nominierung wird als der Gegner des Amtsinhabers betrachtet. Unter einer Dole Regierung würde die Art und Weise der amerikanischen Außenpolitik sich einem gewissen Übermut annähern, die so manches (Kaiser)-Reich in der Vergangenheit überschattet hat. Anstatt die Rücksichtslosigkeit der gegen-wärtigen Regierung anzugreifen, kritisiert Dole diese dafür, daß sie nicht hart genug sei! Um Dole zu zitiere: Die amerikanische Außen-politik unter der Clinton Regierung wird bestimmt durch einen Mangel folgender Eigenschaften: Bestimmtheit, Glaubwürdigkeit und Entschlußfähigkeit - in summa ein Mangel an Führungseigenschaften. Möchte Amerika ins nächste Jahrhundert als eine Super-Macht eintreten? Die Antwort der Regierung Clinton lautet: Nein. Vom ersten Tag an hat man von dieser Regierung nur unsichere und entschuldigende Aussagen über Amerikas einmaligen Status als Supermacht gehört. (7 Bob
Dole beschrieb seine Anordnung, Amerikas Außenpolitik wieder auf die richtige
Schiene zu setzen in einer Rede, die er im Nixon
Center für Freiheit und Frieden im März 1995 gehalten hat. (8) In dieser
Rede zeigte Dole fünf "REALITÄTEN", die Amerikas Außenpolitik unter
seiner Regierung leiten würden. -
Die erste besteht darin, daß
die Welt in ein goldenes Zeitalter des Kapitalismus eintritt, aber dies
bedeutet nicht automatisch Zusammenarbeit. Es gibt Länder, die sich nicht an
die Regeln halten, so daß die Vereinigten Staaten bereit sein müssen, seine
wirtschaftlichen Interessen zu verteidigen. -
zweitens ist es
unausweichliche Realität, daß die Sicherheit der Gas- und Öl-vorräte der Welt
ein lebensnotwendiges Interesse der Vereinigten Staaten darstellen, aber
besonders diejenigen im persischen Golf. Dieses vitale Interesse besteht nicht
nur an den Ölfeldern, sondern auch aus den Pipelines und anderen Mitteln der
Verteilung. -
die Realität Nummer drei
besteht darin, daß eine Gefahr für die USA in der Verbreitung von
Massen-vernichtungsmitteln besteht und die Vereinigten Staaten sich darauf
vorbereiten, soweit notwendig pre-emptive Militärschläge auszuteilen, um ihre
Verbreitung zu vermeiden. -
viertens: Die Vereinigten
Staaten müssen willens sein, in solchen Krisensituationen zu intervenieren, die
von extremen religiösen oder ethnischen Gruppen herbeigeführt werden, da sie
Länder mit besonderen Interessen der Vereinigten Staaten wie Griechenland,
Albanien, Türkei, Mexiko betreffen, und darüberhinaus kann ethnischer Aufruhr
in Rußland nicht toleriert werden. -
Die fünfte und die
gefährlichste "Realität", die lt. Bob Dole die amerikanische
Außenpolitik leiten soll, ist "die Tatsache, daß die geopolitische
Rivalität mit Rußland nicht mit dem Ableben des Sowjet-Kommunismus
endete". Es kann sein, daß der Kommunismus tot ist, aber der russische
Imperialismus bleibt eine Bedrohung für die amerikanischen Interessen. Dole
fährt fort, einige Beispiele aufzuführen, wie diese Bedrohung sich heute zeigt,
inkl. der Fortführung von "historischen Bedrohungen" zu den im nahen
Ausland liegenden und zukünftigen NATO-Mitgliedern wegen der Angelegenheit der
NATO-Erweitereung, "um auf diese Weise die Notwendigkeit zu bestätigen,
die NATO besser früher als später zu erweitern". "Wenn man die amerikanische Außenpolitik in Sachen Balkan unter der Annahme betrachtet, daß die Politik Präsident Clinton's für diese Region unter dem vorrangigen globalen Ziel steht, amerikanische Führung und wirtschaftliche Stärke zu maximieren, dann wird diese Politik rationaler. Die
Vereinigten Staaten konnten die von der Europäischen Union ausgehandelten
Friedenspläne von Lissabon, den Vance-Owen- und den Stolteberg-Owen-Plan nicht
akzeptieren, weil wenn sie dies getan hätten, wäre Bill Clinton zu hause dafür
verurteilt worden, daß er dem Vorrang der amerikanischen Führerschaft entsagt
hätte. Um dieses Bild der Führerschaft zu retten, schob Präsident Clinton die
Europäische Union und die UNO Anfang 1994 zur Seite, indem er die Version der
sog. Kontaktgruppe aufsetzte, u.zw. als eine vielseitige (multilaterale)
Anstrengung, aber die nun als ein Entwurf des amerikanischen Außenministeriums
ausgegeben wurde. Zur gleichen Zeit begann er damit, einseitige Schritte zu
unternehmen - wie oben beschrieben -, um direkt die Sache der Muslime und der
Kroaten zu unterstützen. Das mögliche Ergebnis war das Abkommen von Dayton, das
Präsident Clinton dem amerikanischen Volk so ankündigte als ob es etwas sei,
wofür Amerika die alleinige Verantwortung trage. "Wenn Amerika nicht die
Führung übernimmt", sagte er, "dann kommt es vor, daß zu oft die
Arbeit nicht erledigt wird ...... Europa allein konnte diesen Krieg nicht
beenden". (9) Die
Entschlossenheit zu führen erklärt, weshalb eine Vereinbarung über Bosnien auf
der Grundlage amerikanischer Bedingen sein mußte, aber es erklärt nicht,
weshalb die Amerikaner die Muslime bevorzugten. Die einfache Erklärung dafür
ist: Geld. Gemäß einer Analyse eines Insiders, die dieser hinter vorgehaltener
Hand vor zwei Jahren gemacht hat, "sind die einfachen Tatsachen folgende:
Die Saudis und andere machen auf uns einen ungeheuren Druck, um der
muslimischen Sache in Bosnien zu helfen; sie erinnern uns ständig daran, daß · die Islamische Welt uns mit all dem Öl zu relativ niedrigen Preisen
versorgt, das wir brauchen; · Islamische Staaten Milliarden von Petrodollars haben, die sie bei ihnen
freundlich gesinnten Staaten investieren können; · potentielle Märkte mit einer Bevölkerung von mehr als einer Milliarde
Menschen bieten, u.zw. für Waren und Dienstleistungen gerade dieser ihnen freundlich gesinnten Länder; und · der Friedensprozeß zwischen Israel und der islamischen Welt
geschmierter ablaufen würde, wenn Israel Hauptverbündeter und Freund auch
gleichzeitig ein Freund der islamischen Welt wäre. Wenn Sie diese Tatsachen
gegen acht Millionen Serben abwägen und was diese für die Interessen Amerikas
tun können, dann ist klar, welche Richtung unsere Politik einschlagen wird.” In einem Leitartikel, der kürzlich in der New York Times erschienen ist, argumentieren Jakob Heilbrunn und Michael Lind von der Monatszeitschrift The New Republic, daß die amerikanische Verpflichtung an die Islamische Verbindung so stark ist, daß der amerikanische Plan darin besteht, die Islamische Welt zu einem Teil des amerikanischen Imperiums zu machen und die Unterstützung der bosnischen Muslime einen Teil darstellt, um diesen Entwurf in die Tat umzusetzen. (10). Weiterhin führen die Autoren an, daß die Vereinigten Staaten ihre Vorherrschaft in der Islamischen Welt so verstehen, daß dies der Schlüssel dafür ist, die geopolitische Macht eines vereinten Westeuropa, eines wirtschaftlich aufsteigenden China und eines an natürlichen Bodenschätzen reichen Rußland umzudrehen. Wir
kommen gerade aus Rußland zurück und kann daher die dortige Stimmung beurteilen, die beim Thema Balkan
vorherrscht; diese unterscheidet sich ganz wesentlich von der, die wir bei
früheren Besuchen im März und Oktober 1995 angetroffen haben. Der kroatische
Angriff auf die Krajina, dem die vollständige ethnische Vertreibung der
serbischen Bevölkerung folgte, u.zw. in vollem Einvernehmen mit Washington, hat
den Boden im Spätsommer verändert. Aber letzlich war es die Bombardierung der
Serbischen Republik durch die NATO unter der Leitung der Amerikaner-, als Folge
dessen, was als ein weiteres muslimisches Bomben-Kunststück in Sarajevo
erscheint, die den grundlegenden Meinungswandel in Gang gesetzt hat. Unsere
Gesprächspartner, die aus der akademischen wie auch aus der Gruppe der Entscheider
stammen, kommen zu dem Schluß, daß der "Westen", d.h. Amerika ein
abgekartetes geopolitisches Spiel treibt. Sie sind sich noch der exakten Natur
dieses Spiels unsicher, aber zweifeln kaum daran, daß die Politik Wasshington's
den öffentlich ausgesprochenen Zielen der Vereinigten Staaten auf dem Balkan
widerspricht. Auch
wenn man Kosyrev's Abgang nicht in Betracht zieht, so wird das Hauptaugenmerk
Moskaus nicht mehr darauf liegen, seine "Bereitschaft zur
Zusammenarbeit" mit
verständnislosen Vereinigten Staaten/ NATO unter Beweis zu stellen. Unter der
Leitung von Prymakov wird man anfangen, mehr nach echt haltbaren Lösungen zu suchen. Im Gegensatz zu den
Vereinigten Staaten, von denen man annimmt, daß sie unwiderruflich auf das
kroatisch-muslimische Lager festgelegt sind, wird sich Rußland nicht an die
Interessen der einen oder anderen sich streitenden Parteien auf dem Balkan
binden, sondern auf einen dauernden Frieden und auf Stabiltät in Euraopa
achten, die eine "normale" Rolle für sich selbst als eine Großmacht
erfordern. In
Rußland realisiert man mehr und mehr, daß die auf lange Sicht gesehenen
Konzequenzen der jugoslawischen Endabrechnung für Rußland ungeheuerlich sind.
Wenn die Vereinigten Staaten in der Lage waren, die Bedingungen für die Vereinbarungen
von Dayton im letzten November zu diktieren, dann sagen sie, "daß wir uns
darauf einstellen können, daß sie bald versuchen werden, uns
"Lösungen" für solche "Problemfälle" wie Tschetschenien,
die Krim und andere Fälle zu diktieren,
wie sie sich aus der Auflösung der Soviet Union entwickelt haben. Dies würde in
eine Erneuerung des "Kalten Krieges" münden, der sich schnell in
einen "heißen" entwickeln würde. Im kleinsten Fall würde es die
potentiellen Früchte aus der Zusammenarbeit zwischen Rußland und den
Vereinigten Staaten zerstören, u.zw. zum Nachteil beider Nationen. Das
ehemalige Jugoslawien ist der Testfall der russischen Beziehungen mit der
westlichen Welt für alle weiteren Jahrzehnte. Moskau hat nicht länger die Wahl,
ob es "kooperieren" oder ob es "Widerstand leisten" möchte.
Es wird ständig mit immer größeren "vollendeten Tatsachen"
konfrontiert und seine eigentliche Wahl besteht nur darin, die Realität
anzuerkennen oder den Status einer verachteten, drittklassigen Macht zu
akzeptieren. Kosyrew
wird nun allgemein in Moskau verdammt, weniger deswegen, weil er in Bosnien versagt hat (und wenn man die
Angelegenheit der Ausdehnung der NATO nach Osten betrachtet), sondern vielmehr
deswegen, weil er es überhaupt nicht versucht
hat. Der einzige Gedanke, der echt frösteln macht, u.zw. für die russischen
Professionals wie auch die Nationalisten - ist die Tatsache, daß er nicht so
sehr die Serben an Washington verkauft
hat als sie vielmehr abgegeben hat -
g'rad so, um einen guten Eindruck zu machen. Diese Version wird so aufgenommen
als sei es "seine persönliche Investition in eine gut-aussehende und sich
gut-anfühlende Außenpolitik". Selbst
seine ehemaligen Anhänger geben zu, daß Kosyrew es versäumt hat, klarzumachen
und eine Position aufzubauen, wo Rußland im Rahmen der neuen internationalen
Ordnung steht. Manche mögen darauf hinweisen, daß dies nicht alleine seine
Schuld war: Es gibt keine "Neue Ordnung", und Rußlands Wirtschaft hat
bis jetzt nicht aufgehört zu schrumpfen. Aber seine Version hätte auch unter
günstigeren Umständen nicht zum Erfolg geführt. Er hat Rußland eine
ideologische Politik angehängt, die umso falscher war, je mehr sie von
Mißerfolg gekrönt wurde. Nach Kosyrew müssen die Russen die politischen
Realitäten in der großen weiten Welt wiederentdecken. Was
all dies für die zukünftigen Beziehungen Rußlands mit dem Westen bedeutet liegt
in der Tatsache, daß für die nächste überschaubare Zukunft die Vereinigten
Staaten fortfahren werden, in ihrem Streben nicht nachzulassen, ihre Führungsposition
in der westlichen Welt auszubauen und dies über alle Betrachtungen stellen
werden, die Beziehungen zu Rußland zu verbessern. Die Lebensfähigkeit der NATO
wird als notwendig für den Führungsanspruch Amerikas über den Westen
verstanden. Die NATO ist die einzige Europäische Organisation, von der die
Vereinigten Staaten glauben, daß sie auch von ihnen kontrolliert wird. In der
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSCE) sind zu
unterschiedliche Mitglieder vertreten, und es gibt keine besonderen Privilegien
für die Vereinigten Staaten, wie dies bei der NATO der Fall ist, wo der
Oberkommandierende immer ein Amerikaner ist und wo es eine lange Vorgeschichte
einer amerikanischen Vorherrschaft der politischen Aktivitäten der Allianz gibt.
Um die NATO lebensfähig zu halten, gehen die Vereinigten Staaten davon aus, daß
sie neue Aufgaben definieren und neue Mitglieder finden müssen. Wenn man sich
die Charta der NATO anschaut, so gibt es keinen gesetzlich gerechtfertigten
Grund dafür, daß die NATO z. Zt. in Bosnien ist. Wenn man sich aber die Charta
der OSCE ansieht, dann gibt es für diese Organisation jeden Grund vor Ort zu
sein. Da die Vereinigten Staaten der Anführer der Idee, der Osterweiterung der
NATO ist, hoffen sie zusätzliche Anhänger für eine starke Rolle der USA in
Europa zu finden. Seit
einiger Zeit ist es eines der wiederkehrenden Themen der amerikanischen Elite,
die sich mit der Außenpolitik beschäftigt, daß Amerika ein europäisches Land
ist. Die Clinton Regierung unterschreibt diese Idee und benutzt sie dazu, um
die Notwendigkeit für eine andauernde amerikanische Führung in der NATO und für
deren Osterweiterung zu rechtfertigen. Richard Holbrooke, stellvertretender
Außenminister unter Clinton für europäische und kanadische Angelegenheiten und
kürzlich Hauptunterhändler im ehemaligen Jugoslawien schreibt in einem Aufsatz
unter dem Titel "Amerika, eine Europäische Macht." (11). In diesem
Artikel stellt Holbrooke die These auf, daß Amerikas Interessen in Europa
seinen Ruf für eine neue Sicherheitsarchitektur in Europa nach dem
amerikanischen Entwurf rechtfertigen. Die
neue Architektur hat als Basis die erweiterte NATO. Holbrooke versichert, daß
"der Westen sich über Zentraleuropa hin sich so schnell wie möglich
ausdehnen muß, u.zw. als Tatsache wie auch in der Idee und daß die Vereinigten
Staaten bereit sind, den Weg dorthin aufzuzeigen ...... Die Ausdehnung der NATO
ist die logische und eigentliche Folge des Verschwindens des "Eisernen
Vorhangs". Die Erweiterung der NATO hat zum Ziel, um die Demokratie zu
erweitern, die auf marktwirtschaftlichen Grundlagen für die früheren
sozialistischen Staaten Osteuropas ruht, ist aber nicht dazu da, um einer
angenommenen militärischen Bedrohung Rußlands entgegenzutreten. Jedoch erscheint es mir so, wenn es das Ziel ist, eine Demokratie nach Osten zu erweitern, die auf marktwirtschaftlichen Grundlagen ruht, dann sollten wir uns für die Erweiterung der Europäischen Union nach Osten einsetzen, da dies das Hauptaugenmerk auf wirtschaftliche und politische Inhalte legt, im Gegensatz zur NATO, die als eine Militärallianz geschaffen wurde, um einer angenommenen Drohung Rußlands, die die Sowjet Union beherrscht, entgegenzutreten. Der
Oberkommandierende der NATO, General George Joulwan, sagte in einem Interview
der Washington Post im Dezember 1995, daß die Aktionen der NATO in Bosnien
nicht so sehr die Zukunft Bosniens, sondern vielmehr diejenige Europas
entscheiden werden (12). Bosnien ist der Testfall für eine neue
Sicherheitsarchitektur, die für Europa entworfen wurde. Wenn die amerikanischen
Ziele zu geringen oder keinen Kosten erreicht werden, dann wird auch dieselbe
Version an anderer Stelle angewandt werden, und man braucht nicht viel
Einbildungskraft zu haben, um sich vorzustellen, wo das sein könnte. Der
geschäftsführende stellvertretende Außenminister, Strobe Talbott, sagte
ungefähr drei Wochen vor dem Pittsburgh
World Affairs Council, daß einer der Gründe dafür, warum die Clinton
Regierung entschlossen ist, die Krise in Jugoslawien nach amerikanischen
Bedingungen zu beenden der ist, daß, "wenn Nationalismus hier triumphiert,
dann wird sich das nicht nur verheerend in dieser Region auswirken, sondern
auch neues Unheil in anderen Gebieten hervorbringen.... Im Bereich des früheren
sowjetischen Imperiums wetteifern dunkle Mächte, die denen ähneln, die den
Balkan aufgewühlt haben, mit den Kräften der Freiheit und der Toleranz, um das
Machtvakuum auszufüllen, das sich nach dem Zusammenbruch der kommunistischen
Herrschaft dort gebildet hat" (13). In
einer Rede, die der Außenminister Warren Christopher an der Universität von
Indiana hielt, teilte er einige Einsichten darüber mit, wen die amerikanische
Regierung als eine der möglichen dunklen Mächte des alten sowjetischen
Imperiums betrachtet. Nach den Worten des Außenministers "ist das
Verhalten Rußland in Tschetschenien tragisch und falsch..... Ich habe die
russische Regierung inständig gebeten, dieses Schlachten zu beenden ..... eine
ständige Mission der OSCE zu akzeptieren und auf eine politische Lösung
hinzuarbeiten... Aber die heutigen Handlungen Rußlands in Tschetschenien
bedrohen seine Fähigkeit als ein demokratischer, multi-ethnischer Staat
aufzutreten"(14). Möchten
wir gern das mächtigste Land als einen effizienten Führer dieser Welt sehen. Aber
daß Macht in der internationalen Arena auf zweierlei Weise ausgeübt werden
kann: Die eine Version besteht darin, Macht aus der Situation heraus zu
nutzen, in der ein Akteur die anderen dazu zwingt, seinem Willen unter Drohung
oder dem Einsatz militärischer Macht oder wirtschaflicher Druckmittel zu folgen. Der andere Weg besteht darin, eine verhaltensgemäße Macht einzusetzen, die man gewonnen hat, aus dem eigenen beispielhaften Verhalten als Gesellschaft oder aufgrund größerer Erfahrung oder anerkanntem moralischen Stellung oder dem Charisma zu überzeugen, daß die eigene Positin für die vorliegende Situation die richtige ist. Die letztere Version ist möglicherweise anstrengender, um zu einem Erfolg zu kommen. Das Problem mit der Zwangsversion besteht darin, die Clinton und Dole anscheinend bevorzugen, daß uns früher oder später das Glück verlassen wird: eine Nation oder sogar eine Koalition von Nationen wird sich nicht mit dem starken Arm der amerikanischen Führerschaft einverstanden erklären. Die Folge-rungen daraus werden für die USA und den Rest der Welt sehr düster sein. Die letzte Zeile der Vereinbarung von Dayton läßt bei niemandem Raum zum Triumph außer bei Muslimen und Kroaten. Nach drei Jahren einer nie dagewesenen Kampagne der Erniedrigung der Serben reifen für Europa die Konsequenzen. Die weitgehendste ethnische Vertreibung des ganzen Krieges - die Vertreibung von einer viertel Million Serben aus der Krajina, die von den Kroaten im letzten August überrannt wurde - ist ein Thema, das in fast jeder Diskussion unerwähnt bleibt. Dasselbe gilt für die Tatsache, daß die bosnischen Serben z.Zt. die größte Flüchtlingsgruppe außerhalb des südlichen Teils der Sahara ausmachen. Wenn man an 1991 und 1992 zurückdenkt, dann wußten die Serben, daß bei der kroatischen und bosnischen Unabhängigkeit und der übereilten Anerkennung dieser beiden Republiken durch den Westen dies zu ähnlichen Erfaharungen führen würde, die dem Genozid nicht unähnlich wären, den sie durch die Hände der muslimischen und kroatischen Quislinge in den Jahren 1941 - 1945 erlebt habe vOft haben sie überreagiert, aber es bleibt festzuhalten, daß sie sich vorgesehen haben. Über ihre Argumente und Ängste wurde nicht berichtet oder diese wurden falsch interpretiert; es besteht kein Zweifel, daß der überwiegende Teil der Medien mehr den Muslimen und den Kroaten gewogen war Da die eigenen Friedenspläne von Washington während zweier Jahre ständig torpediert wurden, erschien Europa am Ende als ein indirekter Unterstützer ethnischer Säuberungen, indem es erlaubte, daß seine Piloten von Admiral Smith als bosnisch-muslimische Luftwaffe und seine Scharfschützen am Berg Igman als bosnisch-muslimische Artillerie im letzten Sommer genutzt wurden. Dies versetzte die kroatisch-muslimische Armee in die Lage, zusätzlich zweihunderttausend serbische Zivilisten aus dem westlichen Bosnien in eine großangelegte Offensive im September hineinzutreiben. Dayton hat dann wirklich ihr Schicksal besiege Die
Vereinbarungen von Dayton können als Clinton's Triumph gefeiert werden, ich
würde es aber als einen Teil des Wahlkampfs betrachten; nennen Sie es eine
Möglichkeit der Politik, wenn Sie wollen, aber bitte verwechseln Sie es nicht
mit Gerechtigkeit. ____________________________________________ (1) John Hillen, Questioning the Bosnia Peace, Washington
DC: The Heritage Foundation, November 1995 (2) BBC World Service TV
News, 07:30GMT, 24 November 1995 (3) Dr Vojislav
Kostunica, DSS-Präsident, Belgrad,
November 1995 (4) Sir Alfred Sherman, The
Balkans Round Table, Moscow, March 1995 (5) "Clinton hat den
Krieg verlängert, sagt Owen". The Los Angeles Times, 22. Dezember
1993; s.a. das Interview von Lord Owen im BBC TV Programm Panorama, November 1995. (6) Hierfür sind folgende
Beispiele anzuführen: - "Die Hilfe der Vereinigten Staaten, um eine
muslimisch-kroatische Armee in Bosnien aufzubauen", aus New York Times, 18.
Oktober 1994 - "Pensionierter amerikanischer General, um der
musl.-kroat. Federation zu helfen" New York Times, 23. Januar 1995 - "Die bosnische Armee erhält amerik. Waffen".
Reuters Nachrichtendienst,27.7.95 - "Die Vereinigten Staaten geben zu Berater nach Bosnien
geschickt, aber leugnen, den kroatischen Angriff unterstützt zu haben".
Reuters, 7. August 1995 (7) "Die Außenpolitik
von Dole", Nachrichtendienst von Associated Press, Sept. 1995 (8) Bob Dole: "Wie man
den Frieden gewinnt": Die Führung der Amerikaner und Verpflichtung";
Rede am Nixon Center für Frieden und Freiheit: Politikkonferenz.22.3.95 (9) Präsident Bill Clinton:
Radio- und Fersehansprache an das amerikanische Volk 27. November 1995 (10) Jacob Heilbrunn und
Michael Lind: "Das Dritte Amerikanische Imperium", New York Times,
30. Dezember 1995 (11) Richard Holbrooke,
"Amerika, Ein europäisches Land", Foreign Affairs, März/April
1995 (12) Rick Atkinson:
"Die Kanonenboot-Diplomatie der NATO ist nicht sicher, immer günstige
Winde zu finden", The Washington Post, 13. September 1995 (13) Bevollmächtigter
Außenminister Strobe Talbott: "Amerikanische Führung und Das Neue
Europa", Ansprache vor dem Pittsburgh World Affairs Council, 14. Dezember
1995 (14) Außenminister Warren Christopher: "Die Politik der Vereinigten Staaten für die neuen unabhängigen Staaten". Ansprache an der Universität von Indiana am 29. März 1995 |